Wenn der Staubsauger spioniert

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Automatische Staubsauger sind eine praktische Sache. Beinahe ein Jeder freut sich schließlich über eine Arbeit im Haus, die er nicht mehr selbst erledigen muss. Entsprechend erfolgreich sind die Roboter seit Jahren. Sie existierten schon, bevor der Trend der Smart Homes Fahrt aufnahm.

Staubsaugerroboter: Helfer für Smart Home-Produzenten

Genau in diesem Kontext könnten diese Geräte aber eine neue Funktion übernehmen. Colin Angle, Chef der Heimroboterfirma iRobot, kündigte in einem Interview an, dass die von den Robotern gesammelten Daten an die großen Firmen im Smart Home Business wie Apple, Google oder Facebook verkauft werden könnten. Konkret geht es dabei um die Karte, die die teureren Staubsaugerroboter von ihrer Arbeitsumgebung erstellen und speichern. Diese diente bisher ausschließlich dazu, die Arbeit der automatischen Staubsauger effizienter zu machen. Hersteller von Smart Home-Geräten, wie etwa von intelligenten Lautsprechern, interessieren sich für solche Daten, um gezielt Werbung für ihre Produkte bei ihrer Zielgruppe machen zu können. „Es gibt ein gesamtes Ökosystem von Dingen und Diensten, die das Smart Home leisten kann, wenn es erst einmal eine detailreiche Karte der Wohnung gibt, die der Nutzer freigegeben hat.“, so Angle im Interview.

Kamera an Bord

Besonders interessant erscheint dabei, dass das Flaggschiff-Modell der iRobot-Staubsauger (wie alle hergestellt in Kooperation mit dem Produzenten Roomba) nicht nur über die üblichen Infrarot- oder Lasersensoren zum Ermitteln nahender Hinternisse verwenden. Darüber hinaus verfügt das besagte iRobot-Modell über weitere Sensoren und sogar eine Kamera. Datenschützern dürften sich beim Gedanken an die Detailliertheit der Karten, die ein solches Gerät von einer Wohnung erstellen kann, die Nackenhaare aufstellen.
Angle betonte im Interview, dass die besagten Daten nur mit dem Einverständnis der Kunden verkauft werden sollen. Dabei zeigte er sich aber sehr zuversichtlich, dass Käufer der Reinigungsroboter die Daten sicher gerne weitergeben würden, um Smart Home-Funktionen nutzen zu können.

Die Frage bleibt, wie dieser Prozess genau aussehen wird: Werden bald manche Smart Home-Geräte im Internet of Things nur noch funktionieren, wenn eine Karte des Heims erstellt und freigegeben wird? Mit Google ist ein Unternehmen im Smart Home-Bereich unterwegs, das sein Imperium auf durch Datensammlung maßgeschneiderter Werbung aufgebaut hat und entsprechend kaum freiwillig auf diese Daten verzichten wird. Das „Einverständnis der Kunden“, das von iRobot als Voraussetzung für die Weitergabe der Karte angebracht wird, ist außerdem ein dehnbarer Begriff. Es ist denkbar, dass dem Unternehmen bereits die Anpassung einer privacy-Richtlinie genügt, die kaum ein Nutzer vor dem Bestätigen liest.

Bitterer Beigeschmack

Der New York Times zufolge antwortete iRobot auf Bedenken bezüglich der Privatsphäre von Kunden, indem das Unternehmen betonte, dass die Roomba-Reinigungsroboter auch ohne eine Internetverbindung genutzt werden könnten. Ein Opt-out aus der Kartenweitergabe soll über einen Schalter in einer App möglich sein.
Trotz dieser Zusicherung erscheinen die Pläne von iRobot vom Standpunkt eines Datenschützers betrachtet mehr als bedenklich. Gerade im eigenen Heim ist Privatsphäre wichtig. Es ist durchaus kritisch zu hinterfragen, ob es Amazon, Google oder Apple etwas angeht, wo in der Wohnung zum Beispiel ein Kind spielt oder schläft. Die Entwicklung der zweifelhaften neuen Geschäftsstrategie von iRobot wird einiges über die Zukunft der Smart Homes vorwegnehmen.